Magic Ticket.ch Mitglieder fragen
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Interview:
dilimorena: Würden Sie in den Zügen in jedem Abteil einen Fernseher einrichten?
Liebe dilimorena, nein, da bin ich gar nicht dafür. Ich glaube auch nicht, dass das einem Bedürfnis entsprechen würde, im Gegenteil. Unsere Kundinnen und Kunden schätzen die Ruhe und den Blick aus dem Fenster auf die vorbeiziehende Landschaft. Das ist doch mindestens so spannend.
scbonice: Was ist oder war Ihr grösstes Abenteuer?
Lieber scbonice, bei der SBB gehörte sicher die Bahn 2000 zu meinen spannendsten Aufgaben: Ein völlig neuer Fahrplan mit einem grossen zusätzlichen Angebot an Zügen und Verbindungen für die Reisenden, und das alles auf einem – mit Ausnahme der Neubaustrecke zwischen Mattstetten und Rothrist – praktisch unveränderten Schienennetz der SBB: das war eine grosse Herausforderung. Ich war gespannt auf den Tag, als wir den neuen Fahrplan für Bahn 2000 in Betrieb nahmen. Es war der 12. Dezember 2004 – ich werde den Tag nie vergessen. Alles klappte wie am Schnürchen. Einmalig!
eni95: Wann fuhr der erste Zug in der Schweiz? Und wo?
Lieber eni95, der allererste Zug in der Schweiz fuhr in Basel ein. Er kam vom französischen Strassburg her. Das war am 15. Juni 1844 – also vor mehr als 162 Jahren. Die berühmte Spanisch-Brötli-Bahn war der erste Schweizer Zug: Sie fuhr erstmals am 7. August 1847 von Baden AG nach Zürich. Da dürfte Dein Urururur-Grossvater ungefähr auf die Welt gekommen sein.
marpa: An wie vielen Stationen hält die SBB insgesamt?
Liebe marpa, die SBB betreibt 741 Bahnhöfe und Stationen für den Personenverkehr. Bei einer Gesamtlänge des SBB-Streckennetzes von rund 3000 Kilometer heisst das: Im Durchschnitt steht alle vier Kilometer ein Bahnhof oder eine Haltestelle. Das ist im Vergleich mit anderen Eisenbahnen sehr viel!
ladysheila: Was ist es, was Ihnen bei der SBB am besten gefällt/gefiel?
Liebe ladysheila, es sind die Menschen: Unsere Kundinnen und Kunden, die täglich mit der SBB reisen und uns das Vertrauen schenken. Es sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit Ihrer täglichen Arbeit dafür sorgen, dass die Reisenden pünktlich, sicher und in sauberen Zügen an ihr Ziel kommen. Diese vielen Kontakte mit den unterschiedlichsten Leuten: Das ist das Schönste an meinem Beruf.
Juppa: Lieber Herr Weibel, mit wie viel Volt fährt die SBB?
Lieber Juppa, die SBB-Züge fahren mit 15'000 Volt bei 16,7 Hertz Wechselstrom.
Chnöbeli: Wieviele Züge fahren im Zürcher Hauptbahnhof ein und aus?
Liebe Chnöbeli, das sind unter der Woche täglich 979 Züge. Und weil jeder Zug ein- und ausfährt, sind das also 1958 Ein- und Ausfahrten. Jetzt könnte man diese Zahl durch 24 Teilen, dann ergäben sich durchschnittlich 82 ein- und ausfahrende Züge pro Stunde. Wobei nach Mitternacht bis am frühen Morgen ausser an den Wochenenden im Zürcher Hauptbahnhof keine Züge fahren.
Denne: Welches ist Ihr Lieblingszug?
Lieber Denne, am liebsten fahre ich die Strecke von Freiburg nach Lausanne. Weil sich nach dem Tunnel de Puidoux das Lavaux öffnet mit seinen reichen Reben und dem wunderbaren Blick über den Genfersee. Das ist für mich jedes Mal wieder ein grandioser Moment. Mein Lieblingsfahrzeug ist unser Einheitswagen EW4; das sind die einstöckigen Intercity-Wagen.
jklö: Grüezi Herr Weibel, ich möchte Sie fragen, was Sie an den Zügen denn so fasziniert? Haben Sie auch eine Modelleisenbahn zuhause? Ich verstehe eben meine Brüder und meinen Vater nicht ganz, denn die können stundenlang mit ihrer Eisenbahn spielen.
Liebe jklö, aber doch, ich kann mir gut vorstellen, dass die Modelleisenbahn Menschen packt und fasziniert. Persönlich allerdings habe ich beruflich soviel mit der Eisenbahn zu tun, dass ich in der Freizeit nicht auch noch eine Modelleisenbahn brauche. Ich habe keine Modelleisenbahn zuhause.
Plitsch: Wie lang hätte der schnellste Zug, um die Welt zu umrunden? Wie lange hätte der langsamste?
Liebe Plitsch, der Erdumfang beträgt rund 40'000 Kilometer. Der französische TGV, mit dem Du vielleicht auch schon gefahren bist, fährt mit 300 Kilometern pro Stunde. Folglich brauchte ein TGV für die Erdumrundung fünf Tage, 13 Stunden und 20 Minuten. Allerdings müsste der Zug dann auch quer übers Meer, durch Steppen, Wüsten und Wälder fahren können – und immer schön mit 300 Stundenkilometern.
magic3313: Grüezi Herr Weibel, ich heisse Angela und bin 12 Jahre alt. Ich wohne in Eglisau ZH. Wie lange arbeiten Sie schon bei der SBB? Macht es Ihnen Spass, Verantwortung zu übernehmen? Wie gehen Sie mit Kritikum?
Liebe magic3313, ich kam nach der Uni als Sekretär des Präsidenten der damaligen Generaldirektion zur SBB. Das war 1978, ich war 32jährig. Was aus der Sicht einer 12jährigen natürlich auch schon ziemlich alt ist. Inzwischen bin ich 28 Jahre bei der SBB, ich werde dieses Jahr 60, und so habe ich mich entschieden, Ende Jahr aufzuhören und die SBB zu verlassen. Ja, die Arbeit bei der SBB machte mir grossen Spass, sonst wäre ich kaum so lange geblieben. Kritik ist wichtig, und auch ein SBB-Chef ist darauf angewiesen, dass er kritisiert wird. Ich bin ein Verfechter des offenen Wortes, und so handhaben wir das auch bei der SBB. Uns allen geht es aber wohl gleich: Kritik an anderen zu üben fällt leichter als selber Kritik einzustecken.
Schmeterlinge: Wie schnell kann ein SBB-Zug fahren?
Liebe Schmeterlinge, die Reisezüge der SBB fahren heute mit maximal 160 Stundenkilometern. Schon bald werden wir auf der Neubaustrecke zwischen Olten und Bern aber mit 200 fahren. Die Umstellung ist für Dezember 2007 vorgesehen. Wobei in unserer kleinräumigen Schweiz mit den vergleichsweise kurzen Reisezeiten eine möglichst hohe Geschwindigkeit weniger wichtig ist als etwa in Deutschland oder Frankreich. Es nützt ja nichts, wenn ich nochmals fünf Minuten schneller von Zürich nach Bern fahren kann mit der SBB, wenn ich dann in Bern umso länger auf den Anschlusszug warten muss. Unsere Devise bei der Planung von Bahn 2000 war deshalb immer: Nicht so schnell wie möglich, sondern so rasch wie nötig, damit wir optimale Anschlüsse und möglichst kurze Wartezeiten beim Umsteigen erreichen.
FLÄKLI: Wie werden die Fahrpläne erstellt?
Liebe FLÄKLI, auch da orientieren wir uns zuerst an den Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden: Was wird von den Reisenden gewünscht? Und dann schauen wir, was machbar ist. Die Schweiz verfügt über einen der dichtesten Zugfahrpläne und über ein Eisenbahnangebot, um das uns viele Leute im Ausland beneiden. Dass das Schienennetz bereits so dicht genutzt ist, setzt uns bei der Fahrplan-Planung natürlich enge Grenzen. Und ein Ausbau des Netzes ist teuer, so dass wir uns auch da auf das Nötigste beschränken müssen.
tonulo: Wenn Sie wieder ein Kind wären: Was würden Sie denken, wenn ein Zug eine Panne hat?
Lieber tonulo, ich glaube, dass eine Zugpanne und die entsprechenden Verspätungen für alle Betroffenen ärgerlich sind, für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Als Erwachsener weiss man natürlich, dass kein System völlig pannenfrei funktioniert. Das gilt auch für die Eisenbahn. Nur hilft das einem in dem Moment, wo der Zug stillsteht und man gerne weiterfahren würde, natürlich nicht viel. Das ist bei Dir wohl nicht viel anders als bei mir.
Tristlooker: Was muss ich lernen, dass ich auch SBB Chef werden kann?
Lieber Tristlooker, ich glaube nicht, dass es nur einen einzigen richtigen Weg gibt zum Ziel. Ein SBB-Chef braucht sicher einen guten Bildungsrucksack. Daneben muss man interessiert sein und bereit, immer wieder Neues zu lernen. Und man muss – das scheint mir ganz wichtig zu sein – mit allen Leuten reden können. Wobei reden vor allem auch zuhören heisst.
schan: Was unternimmt die SBB gegen Gewalt in den Zügen?
Liebe schan, das beginnt schon in der Schule: Mit unserem Schulzug klären wir Kinder und Jugendliche über Sachbeschädigungen und Gewalt und über die Folgen auf und bauen dabei auf die Vernunft der jungen Leute. In den gewissen Zügen setzen wir auch sogenannte „grands frères“ ein, also eine Art grosser Bruder, der mit Jugendlichen spricht und sie darauf aufmerksam macht, wenn sie einen Blödsinn machen. Die grands frères kommen bei den jungen Leuten gut an. Unser Zugpersonal ist geschult, was man tun kann gegen Gewalt und wie man einer Eskalation der Gewalt entgegenwirkt. Auch das bringt sehr viel. Und schliesslich helfen uns natürlich auch unsere Bahnpolizisten sowie technische Mittel wie der Einsatz von Videoüberwachung im Kampf gegen die Gewalt. Ich stelle fest, alles zusammen eine recht positive Wirkung erzielt: Gewalt in unseren Zügen kommt glücklicherweise selten vor.
Rony95: Fahren Sie immer mit den Zug irgendwo weit hin oder mit dem Auto?
Liebe Rony95, ich fahre nicht nur gerne, sondern auch viel mit dem Zug: im Jahr sind es gut 40'000 Kilometer – also praktisch einmal um die Erde. Unter anderem fahre ich jeden Monat auch mit dem Zug an Sitzungen nach Paris. Und freue mich jedes Mal auf die Fahrt.
Traktörli: Hatten Sie schon einmal ein besonderes Erlebnis bei der Bahn?
Lieber Traktörli, die schönsten Erlebnisse sind wiederum Erlebnisse mit Menschen. Weil ich viel Zug fahre, werde ich im Zug und an den Bahnhöfen natürlich auch immer wieder angesprochen – von Kunden und von SBB-Mitarbeitenden. Letzthin kam eine Dame gesetzteren Alters auf mich zu: „Sie sind Herr Weibel. Es ist schön, dass ich Sie einmal persönlich sehe. Ich danke Ihnen für Ihre Arbeit bei der SBB.“ Das war natürlich ein toller Augenblick für mich.
wolfgearpy.junior: Wer hat Magic Ticket in die Welt gerufen? Und wieso?
Liebe oder lieber (?) wolfgearpy.junior, das waren unsere Fachleute im Personenverkehr der SBB. Wenn wir schon so viele junge Kundinnen und Kunden haben, die mit uns reisen, möchten wir sie auch gezielt ansprechen können und den Jungen etwas Besonderes bieten. Das ist die Idee von Magic Ticket. Unser Ziel ist auch klar: Wir möchten diese Kunden nicht verlieren und freuen uns, wenn sie auch als Erwachsene mit der SBB fahren.
Looona: Interessieren Sie sich für Fussball?
Liebe Looona: Ja, klar. Ich bin ein überzeugter YB-Fan. Und natürlich auch ein Anhänger der Schweizer Fussball-Nati. Bei der WM kürzlich ging ich sogar einmal in einem Schweizer Leibchen in die Stadt, um die Fussballer via Grossleinwand zu unterstützen.
Kroatia: Kennen Sie 70 Prozent der Namen der Schweizer Bahnhöfe?
Liebe Kroatia, ja, ich glaube, ich würde das schaffen. Bei 741 Bahnhöfen und Stationen ist das auch nicht so schwierig, zumal ich wie gesagt viel Zug fahre und das Streckennetz der SBB praktisch auswendig kenne.
schnappi98: Wie lange wäre ein Zug, wenn man alle SBB-Wagen zusammenhängen würde?
Liebe schnappi98, die SBB verfügt über 2’100 Lokomotiven und Triebfahrzeuge und über 15'000 Personen- und Güterwagen. Wenn wir alle diese Fahrzeuge in einen Zug einreihen würden, wäre der Zug insgesamt über 300 km lang. Damit Du Dir das besser vorstellen kannst: Wenn die vorderste Lok in Lugano eintreffen würde, wäre der letzte Wagen dieses Zuges gerade in Basel vorbeigefahren.
meji: Warum wird das Zug fahren immer teurer und noch teurer? Kann man nicht wie auch bei den Lebensmitteln und Handyanbietern die Preise senken, oder wenigstens nicht mehr dauernd steigern lassen?
Lieber meji, ich bin nicht ganz Deiner Meinung. Das Zugfahren wird nicht immer teurer und teurer – letztmals wurden die Billettpreise im Jahr 2004 erhöht. Und wenn Du mit Gleis 7 fährst, hast Du als Jugendlicher nochmals einen riesigen Vorteil. Der wesentliche Unterschied zu den Billigfliegern besteht darin, dass die SBB nicht nur dann und dort fährt, wo es am meisten rentiert.
nugget3: Wie schwer wären die ganzen SBB Wagons und Loks alle zusammen ungefähr?
Lieber nugget3, alle Lokomotiven und Wagen des Personen- und Güterverkehrs der SBB zusammen sind 492'500 Tonnen schwer. Wie soll man sich das vorstellen? Ein erwachsener Elefant wiegt ca. fünf Tonnen. Also ergäbe das eine Elefantenherde von 98'500 ausgewachsenen Tieren. Unvorstellbar.
Benedikt Weibel


