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Lötschberg-Basistunnel: Volles Rohr durch die Alpen!

Tunnel sei Dank! Ab Ende dieses Jahres gehts wie auf Schienen von Nord nach Süd. Dann öffnet nämlich der Lötschberg-Basistunnel nach achtjähriger Bauzeit seine Tore. Die grosse Eröffnungsfeier findet jedoch bereits am 16. Juni 2007 statt – natürlich mit Magic Ticket. Dieses imposante Bauwerk, ein 34.6 km langer Eisenbahntunnel, verbindet das Berner Oberland mit dem Wallis. Es soll dazu beitragen, den Personenverkehr und schweren Gütertransport Huckepack durch die Alpen zu schleusen, um den Autoverkehr und die Umwelt zu entlasten.

Viel Wissenswertes über den Lötschberg findest du hier.

 

Wie tunnelt man eigentlich einen Berg?

Interview:
Magic Ticket hat sich mit der Person unterhalten, die es ganz genau weiss: Monika Hochuli von der BLS AlpTransit.

Warum wurde gerade am Lötschberg ein so grosses Loch gebohrt?

M.Hochuli: Der Lötschberg ist zusammen mit dem Gotthard eine wichtige Route für den Gütertransport durch die Schweiz. Bereits jetzt fahren täglich sehr viele Güterzüge über die Lötschberg-Bergstrecke. Damit die Züge in Zukunft noch schneller sind und mehr Güter anstatt mit Lastwagen mit der Bahn befördert werden, baut die Schweiz die beiden neuen Tunnel am Gotthard und am Lötschberg.

MT: Können wir alle durch den Basistunnel düsen?

Hochuli: Ja. Nebst den rund 80 Güterzügen, die täglich durch den Lötschberg-Basistunnel fahren, werden auch Reisezüge den neuen Tunnel benützen.

MT: Hat Ihnen der Bau auch mal Kopfzerbrechen bereitet?

Hochuli: Zum Glück hat es am Lötschberg-Basistunnel keine grösseren Probleme gegeben. Aber auch wir hatten die eine oder andere Schwierigkeit zu meistern. Zum Beispiel als wir im Vortrieb Mitholz auf schwieriges Gestein gestossen sind, dass wir nicht erwartet haben. Da haben die Vortriebsmannschaften anstatt der rund 10m pro Tag nur noch rund 1m Fels gesprengt.

MT: Wird heutzutage eigentlich alles gesprengt, oder wird auch immer noch fleissig gepickelt?

Hochuli: Heute wird meistens entweder gesprengt oder mit Tunnelbohrmaschinen ausgebrochen. Wenn das Gestein sehr locker ist, dann wird es mit grossen Baggern aus dem Berg geholt.

MT: Da sind wohl einige Tonnen Material Abruchmaterial zusammengekommen – wohin eigentlich mit so viel Felsmüll?

Hochuli: Im ganzen holten wir 16 Mio. Tonnen Ausbruchmaterial aus dem Berg. Ungefähr 40% davon wurde gebraucht, um daraus Beton zu machen, denn wir dann im Tunnel wieder eingebaut haben. Den Rest wurde entweder für Dammschüttungen und Geländemodulierungen gebraucht, oder wurde auf Deponien endgelagert.

MT: Wie viele Leute brauchte es, um dieses riesige Bauwerk zu vollenden?

Hochuli: Zu unseren Spitzenzeiten arbeiteten auf den Baustellen rund 1'800 Personen. Hinzu kommen noch die ganzen Ingenieure, Vermesser, Geologen, Büroangestellten etc.

MT: Wie lange dauert eine Fahrt durch den Tunnel?

Hochuli: Von Portal zu Portal dauert die Fahrt rund 12 Minuten.

MT: Was sind die Risiken/Gefahren eines Tunnelbaus?

Hochuli: Es gibt einige Risiken und Gefahren im Tunnelbau. Das Gestein kann zwar von Geologen bestimmt werden, ganz sicher ist aber so eine Prognose nie. Zudem kann im Gestein Gas vorkommen. Darum haben wir während der ganzen Bauzeit immer Gasmessungen gemacht. Im Tunnelbau wird zudem mit sehr grossen und schweren Maschinen gearbeitet. Dies hat auch im Lötschberg-Basistunnel schon zu schweren Unfällen geführt.

MT: Sind noch ähnliche Projekte in den Alpen geplant?

Hochuli: Ja, der Gotthard-Basistunnel befindet sich noch im Bau.

MT: Was für Baumaschinen kamen zum Einsatz?

Hochuli: Wir hatten zwei Tunnelbohrmaschinen mit einer Länge von 142 m und einem Gewicht von 1'450 t im Einsatz. Im Sprengvortrieb arbeiteten wir mit modernen Bohrjumbos, die bis zu drei Bohrarme und eine Hebebühne hatten.

MT: Mussten die Arbeiter auch nachts arbeiten?

Hochuli: Bei uns wurde während den Ausbrucharbeiten 24 Stunden im Tag und 7 Tage die Woche gearbeitet. Die einzelnen Schichten waren 8 Stunden lang.

MT: Hatten die überhaupt genügend Luft zum Atmen so tief im Fels?

Hochuli: Wir haben mit grossen Lüftern immer Frischluft in den Tunnel geblasen. Diese wurde sogar gekühlt, weil die Temperaturen sonst bis 50 ° Grad geklettert wären.

MT: Mit was für Gestein hatten sie es zu tun?

Hochuli: Wir trafen im Tunnel verschiedenes Gestein an. Auf der Nordseite waren dies unter anderem Kalke, Schiefer und Kalksandsteine. Auf der Südseite im Aarmassiv trafen wir vorwiegend auf Kristallin und Granit, etwas weiter südlicher dann auf Gneise.

MT: Von wo überall kamen die Arbeiter her?

Hochuli: Die Arbeiter kamen aus sehr vielen verschiedenen Nationen. Z.B. aus Oesterreich, Deutschland, Schweden, Schweiz, Frankreich, Ex-Yugoslavien, Portugal, Italien usw.

MT: - Was hat Ihnen persönlich am meisten Spass gemacht?

Hochuli: Das Zusammenarbeiten mit so vielen Leuten aus verschiedenen Ländern und Kulturen war sehr interessant und hat viel Spass gemacht. Die grossen Baumaschinen und das unglaubliche Zusammenspiel von Mensch und Technik hat mich sehr fasziniert.

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